Was ist euch noch etwas wert? Also so wirklich herzkitzelnd wertvoll. Mein Wertekosmos fühlt sich derzeit wie ein überfressenes eingeschnapptes Untier an. Hat das etwas mit dem älter werden zu tun oder damit, dass es alles gibt und daher alles wertlos erscheint?

Ideale und Werte verändern sich und haben natürlich immer etwas mit der eigenen aktuellen Situation zu tun. Je nachdem, aus welchem Kulturkreis ich komme, sind andere Dinge für mich wichtig. Das kann mit ökonomischen oder sozialen Einflüssen zu tun haben. Diese moralische Aufladung von Dingen, Menschen und Situationen ist eigentlich, das, was ein Leben für mich ausmacht. Ich finde etwas großartig, spüre meine Hormone in mir tanzen, bewundere es oder ihn und spüre einfach, dass dieser 28jährige Körper noch am Leben ist. So ein Glückssprudeln kann durch einen betrunkenen Tapas-Abend mit Freunden ausgelöst werden oder aber auch durch ein niedlich aussehendes Wolkenkissen.

Der positive Part – Ein Stückchen mehr Freiheit

In dem Moment ist etwas für mich wertvoll, aber im Gegensatz zu früher, als ich noch ewig suchen musste, um mir eine Hello Kitty Tasche aus Hongkong bei eBay zu bestellen und niemand sie sonst hatte, hält besonders die Freude über Materielles kaum noch an. Zum einen freut mich das sehr. Es ist ein tolles Gefühl sich von Dingen loszulösen. Da ist es dann egal, wo man wohnt, wen man trifft oder wie irgendwas zu sein hat. Man spricht hier von postmateriellen Werten. Ich muss mich offiziell nicht darum sorgen, dass morgen die Demokratie in meiner Heimat zusammenbricht, dass nicht genug Essen da ist oder jemand ich an meinen Zahnschmerzen sterben könnte, die Sachen sind erledigt. Deswegen kümmere ich mich um meine Selbstverwirklichung.

Der scheiß Part – First World Problems auf Individualebene

Vielleicht liegt hier auch die Krux des Unpolitischen, vielleicht sind wir so satt von all den Möglichkeiten und Menschen da draußen, das wir uns eher nach innen ziehen. Die “neuen Biedermeier” wurde diese Bewegung auch an vielen Stellen genannt. Die Abkehr ins Private, ins Basteln, Kochen, heimelig sein. Diese Entwicklung will ich eigentlich gar nicht zu stark in diesem Text bewerten. Auch ich befinde mich da irgendwo in der Mitte. Was mich daran nur gruselt, ist dass diese Entwicklung für manche auch mit sich zieht sich zu sehr mit sich selbst zu befassen. Klar, die Frage ist, wie viel ist zu sehr? Es ist doch super, wenn man nicht nur ein Roboter ist, der jeden Tag macht, was einen aufgetragen wird. Es ist nur nicht super, wenn man die ganze Zeit darüber nachdenkt, ob man jetzt alles richtig macht, wozu das Leben denn nun wirklich da ist und am aller schlimmsten: Sich ständig vergleicht!

 

Auch, wenn das jetzt so einfach ist, weil man auf Facebook, Instagram und Pinterest das Leben anderer Menschen durch den Schönheits-Gute-Laune-Filter auf den Teller gebrochen bekommt. Was an sich eine tolle Idee ist, klammert vielleicht an der einen oder anderen Stelle die dumme Eigenschaft des Menschen aus, die sich Neid nennt. Und der tanzt dann mit der Unzufriedenheit Tango und lenkt einen wieder von seinen eigentlichen Zielen und Großartigkeiten ab. Wie sehr freut ihr euch denn über einen fabulösen Lowbudget Budapesturlaub, von dem ihr noch die Sonnenstrahlen im Gesicht tragt, wenn X, Y und Z gerade Instagrambilder von ihren L.A, NY, Coachella Reisen posten? Wie viel Wert ist mir also dieses bestimmte Schränkchen, dass in vielen alten Wohnungen noch steht, dass ich seit Wochen versuche auf eBay-Kleinanzeigen zu finden und das es jetzt für 9,99€ seit Kurzem bei IKEA gibt?

Unternehmen schaffenw erte

Ist der beste Weg sich komplett von allen Dingen trennen? Ist es nicht eigentlich auch ganz fresh, dass einen ein kleiner Melonenspiegel aus Plastik so viel Freude bringen konnte? Meine Omi bestätigt mir auch immer wieder, dass Dinge ihr jetzt weniger bedeuten, da sie älter geworden ist, mit dieser Grundidee gehe ich also noch mit. Was mir lediglich Angst macht, ist dass mir auch Immaterielle Dinge immer weniger Freude machen oder etwas bedeuten und wenn das dann darin endet, dass das Leben sich anfühlt wie betäubt in einer Wolke zu stehen, fände ich das nicht so fetzig.

 

Was ist euch also noch etwas wert? Also so wirklich herzkitzelnd wertvoll.

keine zeit im krieg über sich selbst nachzudenken

Ich wünschte wirklich, da wäre etwas, woran ich ganz doll glauben kann. Etwas, dass mir sagt, was richtig und was falsch ist, das mir einen Fahrplan in die Hand drückt und mir versichert: Wenn du das so machst, kommst du an dein Ziel. Und noch viel wichtiger: Dieses Ziel ist das richtige, einzig wahre und ein Gewinn für dich und die Menschen um dich herum. Denn ja auch die Frage nach dem Ziel aka. Sinn ist ja eine, die mir fundamentales Kopfweh bereitet.